informieren & vorbereiten

regelwerk.

du hast nun ein solides basiswissen. jetzt gilt es insbesondere, deinen charakter auf die kommenden börsengeschäfte einzustimmen. wie wir anfangs bereits erwähnt haben, können aktienkurse äußerst volatil sein. sobald du dein geplantes portfolio besparst oder eine größere einlage tätigst, musst du dich darauf einstellen, dass es nicht stetig bergauf geht. es folgt ein auf und ab und die persönliche emotionalität dahinter begreifst du erst, wenn dein (teil-)vermögen diese wellen mitreitet. diese information teilen wir insbesondere deshalb, weil jeder neuling zur börse kommt, weil er (1) schnell, (2) renditereich und (3) sicher mitprofitieren will – die sogenannte fomo ergreift ihn.

wir wollen dir nun unser „less“-regelwerk zeigen, dass dich vor voreiligen entscheidungen schützt und dir halt gibt, wenn deine anlage im minus steht. diese regeln sind essentiell für erfolgreiche börsengeschäfte.

später in der lesson erlernst du außerdem, was faktoren sind und wie du nachhaltig investieren kannst.

liquidität.

investiere nur das kapital, was du nicht benötigst. du musst dich darauf einstellen können, dein investiertes kapital – wenigstens zeitweise – partiell oder auch vollständig verlieren zu können. nur wenn du liquide mittel bereithältst, wirst du diese phasen überstehen können. nutze also dein wissen bezüglich sicherer und liquiderer anlagemöglichkeiten, um dich selbst zu schützen.

um diese liquidität zu errechnen, solltest du deine gesamten, monatlichen ausgaben mit 6 (monaten) muliplizieren – dieser betrag wird als liquide reserve empfohlen.

emotionen.

wenn du fomo (fear of missing out, also die angst etwas zu verpassen) oder panik verspürst, sind das emotionen, die dich leiten. wie du gelernt hast, sind emotionen keine hilfreichen ratgeber, wenn es darum geht rationale entscheidungen zu treffen. natürlich ist es wichtig, ein limit zu setzen, an dem man die reißleine zieht, aber dieses sollte vorher festgelegt und nicht durch ein kurzfristiges bauchgefühl verändert werden. unsere tipps hierfür sind:

  • leitsatz „time in the market beats timing the market“ und „scale out“-ansatz
  • app- und browserzugang zu deinem depot für einige wochen meiden.
  • passive sparpläne, die kursschwankungen normalisieren
  • rücklagen halten, um nach einem kurseinbruch nachlegen zu können

strategie.

eine vorab festgelegte strategie hilft dir in krisensituationen standhaft zu bleiben. deine strategie sollte u.a. festlegen, wie stark einzelne inhalte minimal oder maximal gewertet sein sollen und welche trends du als booster einbaust. die treue zu deiner strategie wird die spätestens nach einer schwächeren marktphase wieder zeigen, wie richtig du doch lagst. vielleicht musst du gerade schmunzeln, aber diese form der selbstbestätigung spielt eine bedeutsamere rolle für den langfristigen erfolg.

„hin und her macht taschen leer.“

beachte, dass du bereits mit der erstellung deiner strategie auch dein eigenes risikoprofil festlegst. solltest du davon überzeugt sein, sehr langfristig denken zu können, wähle einen höheren aktienanteil. anderfalls sollte der anleihenanteil höher sein.

streuung.

die mit abstand wichtigste regel ist die diversifikation. nur mit einer breiten streuung ist dein portfolio stabil und vor regions- oder branchenbezogenen geschehnissen geschützt. dabei geht es nicht nur um die verteilung in assetklassen, sondern auch um die verteilung in viele einzelaktien.

um diese diversifikation zu erreichen empfehlen wir dir das weltportfolio, mit dem du in die gesamte welt investierst. wie du dieses umsetzen kannst, erfährst du später in der nächsten lesson portfolioplanung.

faktoren.

im klassischen weltportfolio verläuft die allokation nach marktkapitalisierung. es gibt jedoch investoren, die ihre aktien im portfolio nicht ausschließlich nach der größe eines unternehmens gewichten möchten. hierfür können folgende faktoren (und indizes) abhilfe schaffen. man nennt diese faktoren auch „smart beta“, da sie einen mehrgewinn gegenüber dem normalen world-index erreichen sollen.

faktoren:

  • gute performance in den letzten 6 oder 12 monaten.
  • technische chartanalyse zeigt hohes kursmomentum.

faktoren:

  • hohe eigenkapitalrendite
  • geringer verschuldungsgrad
  • stabiles gewinnwachstum

faktoren:

  • kurs-buchwertverhältnis (kbv)
  • kurs zu künftigen gewinnerwartungen
  • unternehmenswert zu operativem cashflow

faktor:

  • nur kleine unternehmen (zwischen etwa 300 Mio. $ bis 2 Mrd. $)

faktoren:

  • höchste dividendenrendite im vergleich
  • teilweise auch mit zusatzanforderung dividend aristocrats - also seit x jahren dividenden erhöht.

low volatilty

  • schwache kursschwankungen

 

equal weight

  • jedes unternehmen in einem index wird gleichstark gewertet.

 

moat / "burggraben" 

  • sehr subjektive bewertung. unternehmen, die hohe marktdominanz in einer branche halten, alleinstellungsmerkmal haben oder so groß sind, das konkurrenz sofort akquiriert werden kann.

grün & sozial.

mittlerweile gibt es möglichkeiten, ein investment auch nachhaltig zu gestalten. wir wollen dir hierfür einige ideen aufzeigen. bei der etf-auswahl wirst du filter vorfinden, die bestimmte branchen ausschließen oder z.b. aufnahmekriterien festsetzen. sei dir allerdings bewusst, dass jeder filter eine geringere diversifikation bedeutet. als beispiel: der msci world index hält etwa 1600 einzelwerte, in der sri-variante sind es maximal 200.

wenn du über den text hoverst oder diesen anklickst, siehst du eine auswahl an sehr bekannten filtern.

regionen & branchen.

auch ein ausschluss von regionen ist möglich. achte hierfür auf das kennzeichen „ex“ in einem etf-titel. dieses beiwort meint „excluding“, also ausschließend. damit kannst du beispielsweise in asiatische märkte investieren und dabei china ausschließen.

branchen oder themenbereiche hingegen kannst du lediglich durch deine booster stärker werten (abgesehen von den nachhaltigkeitsfiltern). möglichkeiten hierfür sind beispielsweise folgende indizes.

  • MSCI® World Information Technology Index
  • S&P® Global Clean Energy Index
  • iSTOXX® FactSet Automation & Robotics Index
  • iSTOXX® FactSet Breakthrough Healthcare Index
  • STOXX® Global Digital Security Index
  • und viele weitere..

ausschüttung.

in etf-titeln wirst du auch folgende kurzbezeichnungen vorfinden.

„distributing“, „dist“ oder einfach „d“ meint einen ausschüttenden etf. hierbei werden erträge, ob zinsen, dividenden oder wertpapierleiherträge direkt an den halter ausgeschüttet. diese erträge musst du wie einen gewinn direkt versteuern.

„accumulating“, „acc“ oder einfach „a“ meint einen reinvestierenden etf. hierbei werden erträge, ob zinsen, dividenden oder wertpapierleiherträge genutzt, um das fondvolumen zu erweitern. das bedeutet, dass der index mit diesen erträge nachgekauft wird. auch diese erträge musst du wie einen gewinn direkt versteuern.

zum thema der steuern kommen wir später nochmal ausführlich.

die 72er-regel.

es ist nicht wichtig, ob du direkt einen großen geldbetrag anlegst oder per monatlichem sparplan einzahlst. hauptsache, du beginnst mit dem investment für deine zukunft. halte dir hierfür die 72er-regel vor augen. diese besagt, dass bei einem jährlichen zinssatz von 1% 72 jahre vergehen müssen, bis du deinen einsatz verdoppelt hast. mit dieser regel gelten damit auch folgende werte:

 

  • bei einem zinssatz von 2% 36 jahre (entspricht etwa einer inflations-geschützten anleihe).
  • bei einem zinssatz von 4% 18 jahre (entspricht einem konservativem verlauf des msci world).
  • bei einem zinssatz von 16% 4,5 jahre (entspricht einem offensiven, unwahrscheinlichen verlauf des msci world).

portfolio aufbauen.

kommen wir nun zur konkreten planung deines portfolios. in der nächsten lesson zeigen wir dir individualisierbare grundkonstrukte, die verschiedene laufzeiten und risikoprofile darstellen sollen. ebenso wirst du einige booster kennenlernen, die deinem portfolio unter umständen ein plus an rendite bieten können.